via Twitter flatterte mir der Artikel mit dem Titel “Nur noch kurz die Welt retten? Oder: was ist nachhaltig?” von Kathrin Hartmann auf den Schreibtisch. Der Artikel kann hier nachgelesen werden.
Beginnend mit der etwas verquasten Beschreibung des Kosumententypus des LOHAS hin zu einer fundamentalistischen Systemkritik die den einzelnen aus der Verantwortung entlässt. Position denen ich nicht zustimmen kann und mich zum Schreiben dieses Artikels veranlasst haben.
LOHAS ist die Abkürzung für Lifestyles of Health and Sustainability was zu Deutsch etwa soviel bedeutet wie Lebensstil der auf Gesundheit und Nachhaltigkeit achtet.
Zuerst beschrieben wurde dies Konsumententypus etwa 2000 in den USA. Aber was verbirgt sich hinter diesem Konsumententypus? Der typische LOHAS ist eine Großstadtpflanze. Daher hat das Auto für ihn an Bedeutung verloren. Er nutzt andere Mobilitätsformen. Er/Sie ist gut ausgebildet . Wohnt gerne im Sanierten Altbau oder auch Neubau mit Dachbegründung. Kauft Bio und steht Gesundheitsthemen aufgeschlossen gegenüber. Er/Sie steht Technologie und Technik positiv gegenüber. Was aber im Sinne der Nachhaltigkeit aber ein durchaus wunder Punkt ist. Er/Sie nimmt das Thema Nachhaltigkeit erst, ohne es aber ideologisch aufzuladen. Die letzten zwei Punkte grenzen ihn klar zum klassischen “Öko” ab. Soweit OK.
Das Problem. Mit der breiten Vermarktung diese Lebensstils bildet sich um diesen Urtypus ein Dunstkreis von diversen Abwandlungen, die bis zum Lifstyle Greenwashing reichen. Meist dauert es nicht lange, bis vom Kern nichts mehr übrigbleibt. Nur der Begriff bleibt und wir so lange durch den Wolf gedreht bis er auf alle möglich Zielgruppen passt.
Das Industrie Greenwashing betreibt ist nicht neu und schadet diesen Unternehmen am ende selber. Das Beispiel BP wurde angeführt. Richtig. BP hat sich über Jahre ein grünes Image aufgebaut. Richtig ist aber auch das nach dem Desaster im Golf von Mexiko der Aktienkurs eingebrochen ist und sich bis zum heutigen Tag nicht wieder erholt hat. Das vertrauen der Anleger wurde zerstört.
Gerade der Trend zu einer höheren Transparenz der durch das Web 2.0 angestoßen wurde, ist für diese Unternehmen fatal. Nachhaltigkeitsberichte die vor Jahren niemand gelesen hat, werden heute in Windeseile analysiert und auf einmal muss stimmen was geschrieben steht.
Greenwashing ist nicht anderes als eine Marketing Hochglanzfassade und es fällt nicht schwer diese zu entlarven. Die Information sind in vorhanden. Wer sich informieren will kann sich informieren.
Das mit Nachhaltigkeit kein Geld verdient werden kann ist schlicht falsch. Unternehmen müssen Geld verdienen um Nachhaltig wirtschaften zu können. Was allerdings nicht möglich ist, und das ist auch nicht nachhaltig, sind astronomische Renditen wie sie heute vielfach erwartet werden. Gerade in Familien geführten KMU gibt es eine Vielzahl von Unternehmen die in einer beispielhaften weisen nachhaltig agieren.
Zur fundamentalen Systemkritik.
Schon seit längerer zeit gibt es eine Auseinandersetzung zwischen den Anhängern des Green-New Deal und den sog. Anhängern eines “Null-Wachstums” über den Richtigen weg. Worin liegen die Unterschiede? Beim Green-New-Deal wird am Grunddogma des ewigen Wachstums festgehalten. Durch Regulierungen soll Wachstum aber humaner und umweltfreundlicher werden. Darüber hinaus nimmt der Technische Fortschritt eine zentrale Rolle ein.
Die “Null-Wachstum” Fraktion setzt dagegen primär auf gesellschaftliche und soziale Innovation. Sie sind zum einen schneller zum andern kostengünstiger umzusetzen. Qualität spielt in diesem Ansatz eine deutlich wichtigere Rolle. Wachstum findet hier in Form von qualitativen Wachstum statt. Heutiges Wachstum ist dagegen ein quantitatives Wachstum.
Ich möchte hier und jetzt nicht beurteilen welcher Ansatz besser ist. An einem Punkt irrt die Autorin aber gewaltig. Veränderungen müssen von unten kommen und von den Menschen gelebt werden. Die Verantwortung auf die Politik abzuschieben und den einzelnen aus der Verantwortung entlassen ist fatal. Nur wenn es von unten druck gibt wird auf ebene der Politik etwas passieren.
Noch eine Lesetipp am Schluss. Lesen Sie zu diesem Thema auch den Blog von Antje Radcke “Ich liebe Märchen…”.